Montag, 11. Juli 2011

Palma de Mallorca – Barcelona Rückreise

 25.6.2011 gegen 12 Uhr

Die Fähre Fortuny: da bin ich wieder. 


Es ist das gleiche Fährschiff wie auf der Hinfahrt, nur sieht es jetzt bei hellem Tageslicht ganz anders aus. Die 3 Stockwerke mit enger Treppe habe ich schon mit meinem Koffer geschafft und damit den ersten Schweißausbruch des Tages. Der Koffer ist nun sicher in einem Abstellraum eingeschlossen und ich bekomme ihn in Barcelona wieder.
Solange sitze ich auf meiner Fleecedecke, der Nützlichen, und meinem Kopfkissen auf dem harten und schmuddeligen Deck 8 und genieße die Aussicht auf die Balkonkabinen des riesigen Kreuzfahrtschiffes Norwegian Epic. 



Es ist 11:45 Uhr und gleich geht es los und ich darf dann noch einen letzten Blick auf die Aida werfen, die da noch im Hafen mit meinen Lieben an Bord liegt. Ihr Flugzeug geht um 15:30 Uhr und daher wollen sie es sich noch ein letztes Mal in Sauna und Whirlpool mit gut gehen lassen und die Völlerei im Bordrestaurant geniesen. Die sind heute Abend zu Hause und ich erst morgen Abend um 22:17 Uhr. Da ich gedacht habe, dass die Aida nicht pünktlich wie ein Bus fährt (was sie aber tut!), habe ich nicht die Frühfähre gebucht. Damit bekomme ich den Anschluss-TGV nicht mehr und werde in Barcelona übernachten müssen. Als wir gestern in Barcelona waren, hat es mir so leid getan, die Stadt wieder zu verlassen. Die Dynamik der Stadt ist einfach mitreißend. Und nun ist mir heiß und ich habe ich keine Lust auf meine 36 Stunden-Reise, die vor mir liegt. Missmutig sitze ich im Schneidersitz auf meinem klebrigen Deck. Fazit der bisherigen Reise: Ich reise lieber mit einer lustigen Reisebegleitung. Aber man muss sich die Situation hier und meine zukünftige Reise schön quatschen und so schaue ich einfach mal mich weiter erwartet.
„TUUUUUUUUUUT“ , die Fortuny verlässt den Hafen. Ich schaue noch mal wehmütig zur Aida (Tschüß, Luxus!), als mein Handyklingelton „Always look at the bright side of life“ mir Abschiedsworte meiner Lieben ankündigt. 


An mir vorbei zieht die verbaute Küste von Mallorca, aber das Meer ist wieder tiefblau. Meine letzte Seefahrt vor Mannheim wird 7 Stunden dauern.
Heute Abend um 19:30 Uhr komme ich in Barcelona an und werde dann mein Hotel Holiday Inn suchen, bzw einen Taxifahrer, der mich hinbringt. Hoffentlich ist es nicht der von der Hinfahrt!  Dann mache ich noch einen kleinen Bummel durch die Altstadt, suche mir eine nette Tapasbar und genieße die Stadt. Das wird bestimmt nett.
Morgen um 9 Uhr starte ich von Barcelona Sants nach Figueres mit dem Ticket, das nur im Internet zu buchen war. Ab Figueres steige ich um 11:07 Uhr in den TGV, der mich bis 16:41 Uhr nach Paris bringt. Ich habe bis 19:05 Uhr Zeit die Bahnhöfe zu wechseln; die Strecke kenne ich schon und dieses Mal steige ich an der Metro-Station Charlet aus und schaue mir Notre Dame an. Dann schlürfe ich einen Kaffee an der Seine. Komme was da wolle! Und darauf freue ich mich.

Hier an Bord wird es langsam windig. Aber die See ist so ruhig, dass man nicht glauben könnte, dass es dasselbe Meer ist, dass in der Nacht als ich mit der Aida gefahren bin, so getobt hat. Nach 2 Stunden auf meinem harten, windigen Deck beschließe ich mal einen Spaziergang durch das Schiff zu machen. Außerdem befürchte ich, dass ich trotz Sonnenschutzmittel und Schattenplatz langsam rot werde.
Es ist sehr ruhig an Bord. Nur oben am Minipool liegen mehrere spanische Jugendtruppen und machen einen Heidelrabatz. Überhaupt sind hier mehrheitlich spanische Jugendliche und Deutsche und Briten im Rentenalter. Die in jeder Situation für mich wichtige Cola light kaufe ich im Self-Service-Restaurant, in dem erstaunlich viele Menschen Essen bestellen. So lecker sieht es nicht wirklich aus. Ich beschließe, dass ich doch besser ausschließlich in Barcelona Tapas essen gehe und mir durch Hunger auf See einen guten Appetit verschaffe.
Es gibt unterschiedlich eingerichtete Bars auf dem Schiff. Das habe ich auf meiner Hinfahrt gar nicht bemerkt. Ich sitze umgeben von Holzimitaten auf einer harten Bank, mal in der anderen Bar mit braunen Sofas. Endlich habe ich meinen idealen Platz gefunden. Die Bar im Heck ist die elegante Bar mit roter und goldener Einrichtung. Alles ist ein wenig plüschig und kitschig. Und hier sind auch bequeme Sessel, man kann die Beine hochlegen und es gibt Steckdosen.
Nach einer Stunde Ruhe und Laptopaufladen war die Idylle dann vorbei.
Ein dicker, dunkelhaariger Mann setze sich in meine Sesseltruppe und schlief sofort brutal laut schnarchend ein.Der Mann wachte leider auch nicht davon auf, dass sein Samsung Handy permanent meldete, dass eine SMS angekommen ist. Ich versuchte trotz des minutengetakteten Pieptons und dem Schnarchlärm noch ein wenig zu dösen.
An Entspannung war aber nicht mehr zu denken. Nun setze sich streitend ein deutsches Paar direkt neben mich (Warum nur?). Der total betrunkene, tiefbraun gebrannte Mann mit 40 mit massiver Fahne legte neben mir die Beine hoch und präsentierte seinen ausgepägten Fußpilz. Dann beschimpfte erst mal lautstark den Schnarcher. Seine Freundin mit dicker Brille und einem leicht panischen Gesichtsausdruck hatte gerade seine Sachen kontrolliert und festgestellt, dass er ihr 80 € geklaut hatte, die er schon zumTeil in Weißwein umgesetzt hatte. Sie konnte das wohl einfach nicht glauben, obwohl ihr das dem Gesprächsverlauf folgend schon öfter passiert war. Ein wirres und von Lallen geprägtes Gespräch folgte: „Ich bin auch nur ein Mensch!“ „Ich bin krank und muss ins Krankenhaus!“ „Du hast das Geld genommen und ich hab dir gesagt, wir brauchen das noch.!“ "Halt die Fresse!" (Richtung Schnarcher!) „Red nicht so laut, hier sind Leute um uns herum!“. Hände wurden verzweifelt  vor das Gesicht geschlagen, großkotzig Weißwein gekauft. Es war eine gräßliche Situation zwischen dem Trinker und seiner offensichtlich völlig hilflosen Freundin, die versucht den aggressiven Mann die Welt schön zu biegen. Wie ich dann hörte, ist "Hans" jetzt auch auf Malle obdachlos ist, aber ein Herzensguter und auch ein Mensch, reichte es mir. Warum betonen Alkis immer, dass sie Menschen sind und ihre Kumpels auch? Bevor das Selbstmitleid den ebenfalls  Herzensguten übermannte packte ich meine Siebensachen, gab meinen gemütlichen Platz auf und verschwand durch Alkoholschwaden Richtung frische Luft. Jetzt sitze ich wieder auf meiner Decke auf Deck, die Luft ist gut und neben mir hat es sich eine nette Frau mit einer Isomatte gemütlich gemacht. Man kann wieder die Hunde und Katzen aus dem Tierreiseraum mauzen und winseln hören. Ab und zu geht ein Besitzer hin und spendet tröstende Worte. Ich lese. 

17:14 Uhr. Das sind immer noch mehr als 2 Stunden und mir reicht es jetzt. Immer blaues Meer ist auch doof. Ich will nach Hause. In einer Viertelstunde landen die anderen zu Hause und ich bin neidisch. Mein Rücken brennt und ich habe niemanden, der mal schauen kann, ob ich einen Sonnenbrand habe. Für die nächste Reise brauche ich eine Isomatte und eine Begleitung.

Barcelona – Verbucht

Erst mal habe ich mir aus purem Mitleid das Taxi wegschnappen lassen. Am Taxistand direkt vor dem Terminal habe ich mich schön in die Reihe gestellt und ein Taxi nach dem anderen kam. Als ich an der Reihe war, stürzte der Säufer aus der bequemen Bar von hinten in das Taxi. Ich wollte gerade mit „Einen Moment mal...“ anfangen, als seine Freundin mich am Arm hielt und meinte, ob ich ihr "bitte, bitte"  das Taxi überlassen könnte, er (der Säufer) würde ihr sonst einen Riesenärger machen. Ich habe ihr leider nicht gesagt, dass sie mit mir das Taxi nehmen und den Typen einfach hier stehen lassen soll und ihr das Taxi überlassen. Und zur gerechten Strafe kam dann eine 3/4 Stunde kein Taxi mehr. Ich brutzelte zusammen mit einer Frau, ihrer ca. 8jährigen Tochter und 3 Katzen in Transportkäfigen in der Sonne vor mich hin. Schließlich gab ich auf und ging los zur Hauptstraße Richtung "Rambla". Gut, dass ich gestern schon mal hier war. Ich war etwas orientiert und ging einfach Richtung Altstadt . 
Puterrot im Gesicht stürzte ich mich dann doch mit allen Händen winkend auf ein Taxi, dass ich an einer Ampel entdeckte. Der Fahrer war unkompliziert, fuhr auf den Bürgersteig und lud mich ein. Diesmal klappte es sogar auf Spanisch: Er kannte das Hotel und die Adresse und wir fuhren und fuhren und fuhren - weg von der Innenstadt. Nun - das Holiday Inn Express liegt nicht in der Innenstadt. Warum ich idiotischerweise ausgerechnet das Hotel gebucht habe, konnte ich nicht mehr nachvollziehen. Barcelona offenbarte immer neue schöne Seiten auf der Fahrt und ich fuhr immer weiter weg.







Es war sehr frustierend. Mein Taxifahrer war übrigens völlig grundentspannt. Er las bei jeder Ampel den neu erworbenen Comic "Conan der Barbar". Auf den Comic auch während der Fahrt zu schielen, gab er erst auf, als ich ihm im Rückspiegel ernste Blicke zuwarf. 

Schließlich stand ich vor einem schicken Hochhaus in einer einsamen Gegend. Seufzend trat ich ein. Mich empfingen eine tolle Klimaanlage und ein modern gestyltes Hotel mit Wifi. Das war ja mal ein Trost. Oh, war hier alles angenehm kühl, sauber und voller netter Leute. Mein Zimmer war fantastisch - besonders für einen Internetsparpreis. Ich legte mich erst mal in eine Badewanne mit kühlem Wasser um meine Betriebstemperatur runterzuholen. Aber ich hatte an diesem Tag eindeutig zu viel Sonne abbekommen und das Rumstehen in der Hitze am Taxistand hat meiner Haut den Rest gegeben. Ich war frustriert, dass ich nun hier im Hotel weit weg von der Kirche Santa Maria del Popolo war, die ich mir eigentlich noch ansehen wolle. Keine Abenteuer in der Altstadt. Nix mit schick Flanieren. 
Mein Blick aus dem Holiday Inn Express
Die ganze Sache ist einfach zu ärgerlich. Und ich war viel zu müde, um jetzt noch großartig mit der U-Bahn in der Gegend rumzugondeln. CNN informierte mich auch, dass über Süd-Westeuropa eine Hitzewelle liegt. Die Temperatur liegt zwischen 38 und 40 Grad jetzt am Abend.  Alles klar – ich bleibe im  Hotel. Die kühlen Laken locken...

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