Donnerstag, 21. Juli 2011

Auf Kreuzfahrt



Diese Fahrten mit der Aida kennt ja nun wirklich jeder. Aida verspricht legeren Luxus und Abenteuer in der großen weiten Welt.  Da das natürlich gut klingt, habe ich mich auch für die Aida entschieden und eine Einsteigerkreuzfahrt 1 Woche Mittelmeer gebucht.  Viele sind absolut beeindruckt oder dolle neidisch gewesen, denen ich davon erzählt habe, dass ich die Kreuzfahrt mit der Aida plane. Das war alles recht vielversprechend.


Korsika Ajaccio










Markt


Barcelona


Barcelona




Und darf man bei dem unglaublichen Luxus und der Menge an wunderschönen Eindrücken und Erlebnissen und trotz der Tatsache, dass wir alle uns wirklich erholt haben, zum Schluss sagen: „Nein – mir hat es nicht gefallen!“??????

Das fällt mir wirklich schwer. Aber trotzdem: Mir hat es nicht gefallen. Ich war enttäuscht. 

Und es  geht mir  nicht um die Kritik am Service hier und da, sondern um das Konzept als solches.   

Mir gefällt das tägliche Städte-Hopping nicht. Außer an einem Seetag jagte eine Attraktion die nächste: Malle – Korsika - Rom – Florenz – Cannes – Barcelona. In jeder Stadt nur ein paar Stunden Zeit zu haben und dann auch keine Möglichkeit dort am Abend auszugehen, ist mir nicht ausreichend und ähnlich als würde man ein Kurzvideo über einen möglichen Ferienort ansehen, um zu entscheiden, ob man dort mal Urlaub machen möchte. 
Ich möchte die Möglichkeit haben, mich in einer neuen Stadt auch mal treiben zu lassen  und in das Leben dort einzutauchen. 


Unser Aida-Schiff war noch ein kleineres aus der Flotte. Mit 1200 Gästen an Bord ist es wie reisen mit einer Kleinstadt  und den mangelnden Individualismus kann man überall spüren. Rund um die Gäste wird eine schöne, neue Welt aufgebaut und für jede Fahrt wird sie neu erschaffen, mit der Einführung bis zum Galadinner am letzten Abend. „We have to make the Aida shiny for the guests!“ fassten die philippinischen Angestellten  des Schiffes das Motto zusammen. Und über Nacht wurden alle Spuren vom Tagesgeschehen am und um das Schiff beseitigt, damit die Aida am Morgen wieder wie aus dem Ei gepellt strahlte. Ein bisschen weniger „Shine“ und mehr Authentizität wäre mir lieber gewesen. Animation in so einer Schönheit? Eine Lasershow bei einem Sternenhimmel wie diesem mitten auf dem Meer?  Manchmal sollte man einfach nur mal das Licht ausmachen.
Der wahre Star der Reise  war das Meer und seine unglaubliche Schönheit. Ich kann stundenlang das Blau und das Tiefblau und dann noch das Hellblau oder Grünblau anschauen und mich darüber unterhalten. Es ist atemberaubend. Die Beleuchtung ist immer grandios und bietet immer neue Highlights: Sonnenuntergänge vom Schiff  aus beobachtet, in einem bequemen Sessel mit neuen Freunden und einem guten Wein sind natürlich einfach umwerfend.
Der Co-Star war unsere Kabine mit Panoramascheibe und kleinem Balkon. Das war unsere ganz private Loge für das Spektakel, das das Meer uns jeden Tag bot.
Was bleibt ist die Sehnsucht nach dem Meer und dem Erlebnis Schiffsreise. Und daher werde ich sicher noch einmal eine Schiffreise machen. Ich dachte da an eine Fahrt mit einem Containerschiff....

Sonntag, 17. Juli 2011

Barcelona Sants - Mannheim Rückreise Juni 2011



7:00 Uhr beginnt der Tag im Holiday Inn Express in einer Welt mit Klimaanlage, kühlen Laken, einer kühlen Dusche und CNN. Ich glaube, ich mag diese Design´-Hotels in denen die Farben bis ins letzteabgestimmt sind. Diese speziellen Farbkombinationen, die man überall im Gebäude wiederfindet, machen diese Hotels zu einer eigenen kleinen Welt oder Zuflucht, je nach Bedürfnis. 

Mit gepacktem Koffer sitze ich an meinem Frühstückstisch mit gutem Kaffee und frischen Croissant. Die Sonne brennt um diese Zeit schon recht unbarmherzig wie man durch die etwas trüben Fenster sehen kann. Das ausgezeichnete Frühstück, die wirklich netten Menschen an der Rezeption und das tolle Zimmer haben mich mit dem Hotel eindeutig versöhnt. Ich bestelle ein Taxi. Zum Bahnhof Barcelona Sants dauert es 20 min. Nun ja –  das ist nun wirklich nicht meine Meisterleistung der Hotelbuchung gewesen. Als ich aus der Welt des Hotels trete, haut mich die Hitze schon um. Okay, CNN hat recht: Das ist eine Hitzewelle!

Auch am Morgen ist Barcelona wieder wunderschön. Ich will wiederkommen. 



Sants teilt die Menschen in die, die mit den Schnellzügen fahren und die, die mit normalen Zügen fahren. Zu den ersten zähle ich und daher muss ich in einen mit Bändern abgetrennten Bereich mit zu wenig Stühlen und Belüftung, in den ich nur mit sicherheitsgecheckten Gepäck komme.  Ach, da ist auch das amerikanische Paar aus meinem Hotel. Wie schön Bekannte zu treffen!  Nach Reisezielen sortiert werden wir in Reihen aufgestellt und mit Rolltreppen zu unserem Zug gebracht. Meine erste Station bis Figueres sitze ich wieder in einem erstklassigen Zug  mit Klimaanlage und Steckdose!  Bei so viel Komfort vergeht die Fahrt wie im Flug.  Mich gruselt es schon vor dem Horror-TGV der Hinfahrt und  male mir aus wie es wohl mit schlechter Klimaanlage durch das brutheiße Südfrankreich  sein wird! Aber es kommt ja wirklich immer anders als man denkt: Ich bekomme einen fabelhaften TGV mit allem Schnickschnack (Genau! Steckdosen, Klimaanlage und saubere Klos!) und verbringe abermals ereignislose und entspannende Stunden mit Aus-dem-Fenster-starren, bisschen was schreiben  und meinen Gedanken nachhängen. Da sitze ich stundenlang herum und dann verpasse ich doch fast Paris. Die Ansage reißt  mich aus den Träumen und ich packe hektisch meine 7 Sachen zusammen.

Paris Gare de Lyon – 
Kollateralschaden

eine Bullenhitze liegt  über der Stadt! Es ist, als wenn man gegen eine Wand läuft. Vom Bahnsteig bis zum Eingang der Metro bin ich schon klatschnass geschwitzt. Das kann ja heiter werden. Jetzt erst mal den schon auf der Hinfahrt ergatterten Metroplan raus und die Lesebrille auf den Kopf. Ich darf wirklich nicht darüber nachdenken, was passieren würde, wenn ich die hier verlieren würde.
Aber alles ist einfacher, wenn man etwas schon einmal gemacht hat. Rein in die Metro Richtung Charlet. Hier gibt es noch Rolltreppen und den wunderschönen Fahrstuhl und daher halten sich die Schweißausbrüche in gesellschaftlich akzeptablen Grenzen. 

Charlet ist ein großer Umsteigebahnhof mitten in der Innenstadt und heute heiß und total überfüllt! Was ist denn heute hier nur los? Es sind Massen von Menschen unterwegs. Franzosen und Touristen drängen in den schmalen Gängen. Ich weiß nicht so genau welchen Ausgang ich nehmen muss, um zur Notre Dame zu kommen, nehme irgendeinen und stehe auf einer Einkaufsstraße mitten in Paris und es ist Schlussverkauf!!!!!  Da stehe ich in Paris vor „Promod“ mit Kreditkarten im Schlussverkauf und muss in 2 Stunden in meinem ICE nach Hause sitzen! Ich stehe ca. 2 min auf dem Bürgersteig und überlege, ob ich den Notre Dame-Besuch streichen soll und mich in den nächsten Laden stürzen werde.
In dieser kurzen Zeit in der Hitze des Nachmittags bin ich schon wieder völlig verschwitzt und das gibt den Ausschlag: Kirchen sind kühl! Ich trotte los und frage mich , warum ich eigentlich nicht öfter mit einer Kreditkarte im Schlussverkauf in Paris bin. Auf der einen Seite ist es so leicht zu verreisen. Es fällt eigentlich nur schwer den ersten Schritt aus dem Haus zu gehen.
Ich rolle mit meinem Koffer durch die bunte Menschenmenge möglichst auf der schattigen Seite der Straße, vorbei  an dem pittoresken Hotel de Ville und einer Pro-Israel-Demo Richtung Seine. 

See you!
Ich lasse mich treiben. Der Blick auf die Seinebrücken löst wie immer romantische bis nostalgische Gefühle aus. Ich habe so viele Filme gesehen und so viele Bücher gelesen, dass mir die Brücken wie alte Freunde mit gemeinsamen Erinnerungen vorkommen. Alles ist da für einen tragischen Liebesfilm: die Seine, die Cafes mit den kleinen Stühlen, die immer nebeneinander am Tisch stehen,  die Stände mit den alten Büchern, Raucher, die Tafeln mit dem aktuellen Tagesangebot der Restaurants und nicht zuletzt die alten Häuser mit den kleinen Balkonen.  Wenn ich mein Kulturprogramm Notre Dame beendet habe, werde ich mich mit einer Cola light in einem Cafe belohnen. Paris feeling  wäre mit Pastis oder Rotwein natürlich klassischer gewesen, aber bei der schon erwähnten Hitze völlig unmöglich, wenn ich meinen ICE noch finden will.

Dann habe ich es im wahrsten Sinne im Schweiße meines Angesichts geschafft.
Notre Dame

Der Platz vor der Kirche ist voller Menschen. Was machen die nur allen hier bei  der Hitze? Nun ich bin ja auch hier...!?  Die Sicherheitsbeamten von Notre Dame teilen die Menschen am Eingang in die ein, die beten wollen und die nur die Kirche besichtigen wollen. Ich reihe mich richtig ein und sehe prompt ein Schild mit einem durchgestrichenen Koffer. Oh nein, wo soll ich denn mit dem Ding nur hin? Hätte man mit Koffer beten können? Ich überlege hektisch, ob ich noch in die Reihe der Betenden wechseln soll.  Da kommt auch schon Don Johnson of Notre Dame mit Spiegelsonnenbrille, deutet auf meinen Koffer und schüttelt herzlos den Kopf. Er macht kehrt und stellt sich wieder breitbeinig seine trainierten Schultern in Position bringend neben den Eingang. Ich versuche ihn mit meinen 5 französischen Worten und meiner ganzen Gestik davon zu überzeugen, dass er auf meinen Koffer aufpassen will und ich in die Kirche darf. Nix! Tut so als wenn er das nicht verstehen würde und verzieht keine Miene. An dem beiße ich mir die Zähne aus. Ich bin definitiv nicht sein Typ. Aber wenn es einen Eingang gibt, dann gibt es auch einen Ausgang. Ich laufe mit meinem Koffer schwitzend durchs Getümmel. Gefunden! Dieser Wachposten ist ein ca. 50jähriger kleiner Mann, der auf einer Seite die Haare länger wachsen lässt, um sie über die beginnende Kahlheit zu kämmen. Das wird gehen. Also: Kopf leicht nach unten und auf die Seite legen, Wimpern und Blick leicht nach oben, lächeln: „Sil vous plais...?“ und beginne meine theatralische Gestikvorstellung ein zweites Mal. Er hat Humor und ist in jeder Hinsicht für meine Aufführung mehr meine Zielgruppe. Ich darf wirklich rein und er hat meinen Koffer an der Hand.
Die Kirche ist schön und kühl. Ich laufe beschwingt und beinahe euphorisch durch die Kirche. Endlich hat was geklappt und ich kann mir etwas  anschauen.  Am Ende meiner Besichtigung bedanke ich mich überschwänglich bei meiner Kofferwache.

Jetzt ist es Zeit für meine Belohnung und das Paris feeling für den Abschied. Ich verlasse die Insel auf der Notre Dame liegt und wähle ein Eckcafe an der Seine auf dem Weg zurück zur Metro. Es liegt im Schatten und sieht nett aus. Da es wie erwähnt extrem heiß ist, transpiriere ich hilflos vor mich hin. Eine Cola light endlich – koste es was es wolle. Mein Tisch ist dunkelbraun und klebrig, aber in der Nähe des Ventilators und einer Ecke für den Koffer. Der Geruch von Pastis, Bier und Kaffee mischt sich. Gerne würde ich noch etwas essen, aber dafür ist nun keine Zeit mehr. Ich kann mir ja am Bahnhof was kaufen.  Diese Reisediäten wegen schlechter Verpflegungssituation sind bestimmt nicht schlecht für mich.
Wenn man dann so eine Cola getrunken hat, dann ist natürlich das Klo bald ein Thema. Der unengagierte  Kellner will auf meinen Koffer aufpassen. Die Toiletten seien im Keller, erläutert er durch ein Grunzen mit einem gelangweilten Kopfschwenk.  Es gibt nur ein Klo und ein Pissoir. Die Wahl ist klar und ich trete in die dunkelgekachelte und spärlich beleuchtete Kabine. „Pitsch-Patsch“ –oh nein, meine Sneaker  waten durch einen See mit unbekannter Flüssigkeit. Ich will nicht gleich das Schlimmste annehmen und glaube noch an ein Leck in der Wasserleitung. Immerhin gibt es Klopapier. So schlimm kann es also nicht sein. Die Sohlen meiner Schuhe sind hoch genug. Meine Füße werden nicht nass, wenn ich vorsichtig und langsam gehe. Nur Mut also! Der weiße Deckel der Kloschüssel ist heruntergeklappt. Und dann mache ich etwas, was ich sonst nie tue:  Einer Eingebung folgend nehme ich etwas Klopapier und fasse damit den Deckel an, um ihn hochzuheben. Es war die Rettung meines gesamten Mageninhalts.  Der Anblick ist atemberaubend und ich pralle mit dem Rücken gegen die Klotür. Bis an den absoluten Rand ist die Kloschüssel gefüllt mit dahin gehörender gelber Flüssigkeit und  feste Bestandteile in allen Formen und Brauntönen. Etwas in dieser Variantenvielfalt habe ich noch nie gesehen. Ich beherrsche meinen Magen und dann nur raus hier. Jetzt auf keinen Fall in Hektik verfallen und dadurch Spritzer in dem See, in dem ich stehe, riskieren.   
Ich lege einen beherrschten Rückzug hin und krame zurück am Tisch erst mal ein Wunddesinfektionstuch aus meiner Tasche und benutze es großzügig. Ich gehe erst im ICE aufs Klo. Egal - ich halte durch.
Der Kellner, der meinen Koffer dann doch lieber allein gelassen hat, hat mir die Rechnung für die Cola light gebracht. 4,80 € bezahle ich für dieses Erlebnis. Das schlägt die Cola in Perpignan und damit hat sich das Cafe  in 2 Kategorien qualifiziert: Teuerste Cola und ekeligstes Klo.  Wenn es außerdem noch eine Möglichkeit gebe für alleingelassene Koffer (der Mistkerl, der!)  ein Minustrinkgeld zu geben, hätte ich die Möglichkeit ergriffen.
Nach diesem  Zuwachs an Erfahrung ist es nun auch Zeit zum Gare de l´Est zu fahren und meinen ICE ausfindig zu machen. Ich schaue noch in den einen oder anderen Souvenirladen und betrachte Lustiges und Kitschiges mit Eifelturm oder chat noir.
Die schon erwähnte Hitze ist in die Gänge der Metro gekrochen und die Menschen stehen wie Sardinien in der Dose schon auf dem Bahnsteig. Die erste Metro ist so voll, dass ich mit meinem Koffer nicht reinkomme. Bei der zweiten benutzte ich meine Ellenbogen und schaffe es an der Tür einen Platz von 40 x 40 cm für mich und meinen Koffer zu ergattern. Atmung wird zum Luxus, auf Zehenspitzen stehen ermöglicht Platz für den Koffer, festhalten unnötig.
Am Bahnhof Gare de l´Est gibt es außer dem Boden nichts zum Rasten. Ich habe einfach nicht herausbekommen, warum Paris so voll war. Alle Bänke sind belegt, alle Plätze in den Cafes, der Bahnhof ist auch rappelvoll. Die Informationstafel  informiert die Reisenden, dass der ICE ausgebucht ist, aber wie üblich nicht, wo er abfährt. In der schönen Halle des Gare de l´Est ist es noch heißer als draußen. Der Bahnhof hat ein Glasdach und nutzt daher bei diesem Wetter den Gewächshauseffekt.   


In solchen Situationen kann man sich nur noch die Zeit mit Shoppen totschlagen. So erstehe ich (nach einem erschreckten Blick im Spiegel auf meine Frisur) eine Haarband, einen französischen Schokokuchen für die Naschkatzen zu Hause und ein Sandwich mit Hühnchen für mich. Eine Cola light für schlappe 2,20 € bewahrt mich vor dem drohenden Kreislaufkollaps.


Kurzfristig und damit die Spannung erhaltend wird das Gleis durchgegeben. Auf Wiedersehen, Paris! 

Um 21:30 werde ich in Kaiserslautern abgeholt. Nach 11 Tagen bin ich wieder zu Hause. Nun erst mal in die Badewanne. Ich fühle mich, als wenn ich viele, viele Wochen unterwegs gewesen wäre.

Montag, 11. Juli 2011

Palma de Mallorca – Barcelona Rückreise

 25.6.2011 gegen 12 Uhr

Die Fähre Fortuny: da bin ich wieder. 


Es ist das gleiche Fährschiff wie auf der Hinfahrt, nur sieht es jetzt bei hellem Tageslicht ganz anders aus. Die 3 Stockwerke mit enger Treppe habe ich schon mit meinem Koffer geschafft und damit den ersten Schweißausbruch des Tages. Der Koffer ist nun sicher in einem Abstellraum eingeschlossen und ich bekomme ihn in Barcelona wieder.
Solange sitze ich auf meiner Fleecedecke, der Nützlichen, und meinem Kopfkissen auf dem harten und schmuddeligen Deck 8 und genieße die Aussicht auf die Balkonkabinen des riesigen Kreuzfahrtschiffes Norwegian Epic. 



Es ist 11:45 Uhr und gleich geht es los und ich darf dann noch einen letzten Blick auf die Aida werfen, die da noch im Hafen mit meinen Lieben an Bord liegt. Ihr Flugzeug geht um 15:30 Uhr und daher wollen sie es sich noch ein letztes Mal in Sauna und Whirlpool mit gut gehen lassen und die Völlerei im Bordrestaurant geniesen. Die sind heute Abend zu Hause und ich erst morgen Abend um 22:17 Uhr. Da ich gedacht habe, dass die Aida nicht pünktlich wie ein Bus fährt (was sie aber tut!), habe ich nicht die Frühfähre gebucht. Damit bekomme ich den Anschluss-TGV nicht mehr und werde in Barcelona übernachten müssen. Als wir gestern in Barcelona waren, hat es mir so leid getan, die Stadt wieder zu verlassen. Die Dynamik der Stadt ist einfach mitreißend. Und nun ist mir heiß und ich habe ich keine Lust auf meine 36 Stunden-Reise, die vor mir liegt. Missmutig sitze ich im Schneidersitz auf meinem klebrigen Deck. Fazit der bisherigen Reise: Ich reise lieber mit einer lustigen Reisebegleitung. Aber man muss sich die Situation hier und meine zukünftige Reise schön quatschen und so schaue ich einfach mal mich weiter erwartet.
„TUUUUUUUUUUT“ , die Fortuny verlässt den Hafen. Ich schaue noch mal wehmütig zur Aida (Tschüß, Luxus!), als mein Handyklingelton „Always look at the bright side of life“ mir Abschiedsworte meiner Lieben ankündigt. 


An mir vorbei zieht die verbaute Küste von Mallorca, aber das Meer ist wieder tiefblau. Meine letzte Seefahrt vor Mannheim wird 7 Stunden dauern.
Heute Abend um 19:30 Uhr komme ich in Barcelona an und werde dann mein Hotel Holiday Inn suchen, bzw einen Taxifahrer, der mich hinbringt. Hoffentlich ist es nicht der von der Hinfahrt!  Dann mache ich noch einen kleinen Bummel durch die Altstadt, suche mir eine nette Tapasbar und genieße die Stadt. Das wird bestimmt nett.
Morgen um 9 Uhr starte ich von Barcelona Sants nach Figueres mit dem Ticket, das nur im Internet zu buchen war. Ab Figueres steige ich um 11:07 Uhr in den TGV, der mich bis 16:41 Uhr nach Paris bringt. Ich habe bis 19:05 Uhr Zeit die Bahnhöfe zu wechseln; die Strecke kenne ich schon und dieses Mal steige ich an der Metro-Station Charlet aus und schaue mir Notre Dame an. Dann schlürfe ich einen Kaffee an der Seine. Komme was da wolle! Und darauf freue ich mich.

Hier an Bord wird es langsam windig. Aber die See ist so ruhig, dass man nicht glauben könnte, dass es dasselbe Meer ist, dass in der Nacht als ich mit der Aida gefahren bin, so getobt hat. Nach 2 Stunden auf meinem harten, windigen Deck beschließe ich mal einen Spaziergang durch das Schiff zu machen. Außerdem befürchte ich, dass ich trotz Sonnenschutzmittel und Schattenplatz langsam rot werde.
Es ist sehr ruhig an Bord. Nur oben am Minipool liegen mehrere spanische Jugendtruppen und machen einen Heidelrabatz. Überhaupt sind hier mehrheitlich spanische Jugendliche und Deutsche und Briten im Rentenalter. Die in jeder Situation für mich wichtige Cola light kaufe ich im Self-Service-Restaurant, in dem erstaunlich viele Menschen Essen bestellen. So lecker sieht es nicht wirklich aus. Ich beschließe, dass ich doch besser ausschließlich in Barcelona Tapas essen gehe und mir durch Hunger auf See einen guten Appetit verschaffe.
Es gibt unterschiedlich eingerichtete Bars auf dem Schiff. Das habe ich auf meiner Hinfahrt gar nicht bemerkt. Ich sitze umgeben von Holzimitaten auf einer harten Bank, mal in der anderen Bar mit braunen Sofas. Endlich habe ich meinen idealen Platz gefunden. Die Bar im Heck ist die elegante Bar mit roter und goldener Einrichtung. Alles ist ein wenig plüschig und kitschig. Und hier sind auch bequeme Sessel, man kann die Beine hochlegen und es gibt Steckdosen.
Nach einer Stunde Ruhe und Laptopaufladen war die Idylle dann vorbei.
Ein dicker, dunkelhaariger Mann setze sich in meine Sesseltruppe und schlief sofort brutal laut schnarchend ein.Der Mann wachte leider auch nicht davon auf, dass sein Samsung Handy permanent meldete, dass eine SMS angekommen ist. Ich versuchte trotz des minutengetakteten Pieptons und dem Schnarchlärm noch ein wenig zu dösen.
An Entspannung war aber nicht mehr zu denken. Nun setze sich streitend ein deutsches Paar direkt neben mich (Warum nur?). Der total betrunkene, tiefbraun gebrannte Mann mit 40 mit massiver Fahne legte neben mir die Beine hoch und präsentierte seinen ausgepägten Fußpilz. Dann beschimpfte erst mal lautstark den Schnarcher. Seine Freundin mit dicker Brille und einem leicht panischen Gesichtsausdruck hatte gerade seine Sachen kontrolliert und festgestellt, dass er ihr 80 € geklaut hatte, die er schon zumTeil in Weißwein umgesetzt hatte. Sie konnte das wohl einfach nicht glauben, obwohl ihr das dem Gesprächsverlauf folgend schon öfter passiert war. Ein wirres und von Lallen geprägtes Gespräch folgte: „Ich bin auch nur ein Mensch!“ „Ich bin krank und muss ins Krankenhaus!“ „Du hast das Geld genommen und ich hab dir gesagt, wir brauchen das noch.!“ "Halt die Fresse!" (Richtung Schnarcher!) „Red nicht so laut, hier sind Leute um uns herum!“. Hände wurden verzweifelt  vor das Gesicht geschlagen, großkotzig Weißwein gekauft. Es war eine gräßliche Situation zwischen dem Trinker und seiner offensichtlich völlig hilflosen Freundin, die versucht den aggressiven Mann die Welt schön zu biegen. Wie ich dann hörte, ist "Hans" jetzt auch auf Malle obdachlos ist, aber ein Herzensguter und auch ein Mensch, reichte es mir. Warum betonen Alkis immer, dass sie Menschen sind und ihre Kumpels auch? Bevor das Selbstmitleid den ebenfalls  Herzensguten übermannte packte ich meine Siebensachen, gab meinen gemütlichen Platz auf und verschwand durch Alkoholschwaden Richtung frische Luft. Jetzt sitze ich wieder auf meiner Decke auf Deck, die Luft ist gut und neben mir hat es sich eine nette Frau mit einer Isomatte gemütlich gemacht. Man kann wieder die Hunde und Katzen aus dem Tierreiseraum mauzen und winseln hören. Ab und zu geht ein Besitzer hin und spendet tröstende Worte. Ich lese. 

17:14 Uhr. Das sind immer noch mehr als 2 Stunden und mir reicht es jetzt. Immer blaues Meer ist auch doof. Ich will nach Hause. In einer Viertelstunde landen die anderen zu Hause und ich bin neidisch. Mein Rücken brennt und ich habe niemanden, der mal schauen kann, ob ich einen Sonnenbrand habe. Für die nächste Reise brauche ich eine Isomatte und eine Begleitung.

Barcelona – Verbucht

Erst mal habe ich mir aus purem Mitleid das Taxi wegschnappen lassen. Am Taxistand direkt vor dem Terminal habe ich mich schön in die Reihe gestellt und ein Taxi nach dem anderen kam. Als ich an der Reihe war, stürzte der Säufer aus der bequemen Bar von hinten in das Taxi. Ich wollte gerade mit „Einen Moment mal...“ anfangen, als seine Freundin mich am Arm hielt und meinte, ob ich ihr "bitte, bitte"  das Taxi überlassen könnte, er (der Säufer) würde ihr sonst einen Riesenärger machen. Ich habe ihr leider nicht gesagt, dass sie mit mir das Taxi nehmen und den Typen einfach hier stehen lassen soll und ihr das Taxi überlassen. Und zur gerechten Strafe kam dann eine 3/4 Stunde kein Taxi mehr. Ich brutzelte zusammen mit einer Frau, ihrer ca. 8jährigen Tochter und 3 Katzen in Transportkäfigen in der Sonne vor mich hin. Schließlich gab ich auf und ging los zur Hauptstraße Richtung "Rambla". Gut, dass ich gestern schon mal hier war. Ich war etwas orientiert und ging einfach Richtung Altstadt . 
Puterrot im Gesicht stürzte ich mich dann doch mit allen Händen winkend auf ein Taxi, dass ich an einer Ampel entdeckte. Der Fahrer war unkompliziert, fuhr auf den Bürgersteig und lud mich ein. Diesmal klappte es sogar auf Spanisch: Er kannte das Hotel und die Adresse und wir fuhren und fuhren und fuhren - weg von der Innenstadt. Nun - das Holiday Inn Express liegt nicht in der Innenstadt. Warum ich idiotischerweise ausgerechnet das Hotel gebucht habe, konnte ich nicht mehr nachvollziehen. Barcelona offenbarte immer neue schöne Seiten auf der Fahrt und ich fuhr immer weiter weg.







Es war sehr frustierend. Mein Taxifahrer war übrigens völlig grundentspannt. Er las bei jeder Ampel den neu erworbenen Comic "Conan der Barbar". Auf den Comic auch während der Fahrt zu schielen, gab er erst auf, als ich ihm im Rückspiegel ernste Blicke zuwarf. 

Schließlich stand ich vor einem schicken Hochhaus in einer einsamen Gegend. Seufzend trat ich ein. Mich empfingen eine tolle Klimaanlage und ein modern gestyltes Hotel mit Wifi. Das war ja mal ein Trost. Oh, war hier alles angenehm kühl, sauber und voller netter Leute. Mein Zimmer war fantastisch - besonders für einen Internetsparpreis. Ich legte mich erst mal in eine Badewanne mit kühlem Wasser um meine Betriebstemperatur runterzuholen. Aber ich hatte an diesem Tag eindeutig zu viel Sonne abbekommen und das Rumstehen in der Hitze am Taxistand hat meiner Haut den Rest gegeben. Ich war frustriert, dass ich nun hier im Hotel weit weg von der Kirche Santa Maria del Popolo war, die ich mir eigentlich noch ansehen wolle. Keine Abenteuer in der Altstadt. Nix mit schick Flanieren. 
Mein Blick aus dem Holiday Inn Express
Die ganze Sache ist einfach zu ärgerlich. Und ich war viel zu müde, um jetzt noch großartig mit der U-Bahn in der Gegend rumzugondeln. CNN informierte mich auch, dass über Süd-Westeuropa eine Hitzewelle liegt. Die Temperatur liegt zwischen 38 und 40 Grad jetzt am Abend.  Alles klar – ich bleibe im  Hotel. Die kühlen Laken locken...

Donnerstag, 7. Juli 2011

Palma - The boulevard of broken dreams

Wenn das letzte Bier der Nacht und das erste Bier des Tages aufeinandertreffen und die Morgendämmerung unbarmherzig auf das verblasste Make-up der älteren Nachtvögel straht, ist definitiv die richtige Zeit in ein Cafe um die Carre Gabriel Maura in Palma gehen. Hier ist das Palma der Toupets, die faltige Alkoholikergesichter mit roten Nasen krönen, des Silikons in allen Größen, der schwankenden Schönheiten auf turmhohen Highheels, des schlechten Kaffees, der vielen schwarzen  Sonnenbrillen vor geschwollenen Augen, des dicken alten Barbesitzers mit kurzem grauen Haaren und Fettspritzern vom letzten Abendessen auf dem riesigen T-Shirt, der obligatorischen Goldkettchen auf Brusthaar, der Ex-Surflehrer und der gehetzen Menschen auf dem Weg zur Arbeit.