Ein Kurztrip – eine Freundin auf Amrum besuchen.
Endlich mal Zeit zum Reden, Reden und Reden. Da war mir das Wetter sowieso egal.
Nordseeluft ist gesund. Die mitleidigen Gesichter meines Umfelds bestätigten mir das wie zum Trost. Die Wetterprognosen wurden immer schlechter und die Gesichter immer mitfühlender. Schließlich war es klar: Ich werde im strahlenden Sonnenschein anreisen und dann konsequent 3 Tage in Gummistiefeln verbringen.Ich bekam so viel Mitgefühl aus meinem Umfeld, als würde in meinem Urlaubsparadies ein fieser Magen-Darm-Virus wüten.
Die Zugfahrt war dann - wie angekündigt sonnig - und sehr entspannend. 2x umsteigen, dann wurde die Luft wurde immer reiner und klarer, die Kühe glücklicher, die Züge langsamer.
Fast unvorbereitet durchbrach der Zug den Deich in Dagebüll. Das Meer!
Vor mir lagen die Fähren, der Strand, das Wattenmeer und wie Perlen die Halligen in der Ferne. Es ist ein wunderschöner Nachmittag. Ich mache es mir auf dem Oberdeck meiner Fähre mit Tee und Sonnenbrille bequem und warte auf die schon angekündigten Seehunde auf der Sandbank kurz vor Föhr. Man kann sie kaum erkennen.Eigentlich sind sie auf die Entfernung nicht so süß, aber doch ein Hingucker. Und sie sehen so gemütlich aus!
Es war natürlich klar, dass ich den Kardinalsfehler der unerfahrenen Nordseefahrerin machte: Mein in der Tagescreme eingebauter Sonnenschutzfaktor versagte bei so viel UV-Strahlung völlig. Langsam wurde ich hummerrot im Gesicht. Aber das ich merkte natürlich nicht. Dieses Wattenmeer faszinierte mich vom ersten Augenblick an und ich starrte und starrte auf das Meer. Die Luft wurde immer reiner und klarer und weich wie Watte.
Der Abend lud zum Spaziergang ein.
Nach einem spektakulären Sonnenuntergang bei wolkenlosem Himmel verbrachte ich meine Tage ab dann im Regen. Der Regen kam von oben, von rechts, von links, mal so stark, dass er auf der Haut prickelte, mal so schwach wie Tau, aber immer war er dabei. Und in diesem Regen habe ich mich in die Insel verliebt.
Das Wetter ist auch im Regen abwechslungsreich und bietet jeden Tag ein absolutes Highlight. Mein Favorit: Vor dem Hintergrund der schäumenden See brechen grauschwarze Wolken auf und für 5 min lassen die gelben Sonnenstrahlen alle Regentropfen glänzen. Muss man gesehen haben.
Amrum ist eine Welt in klein. Bestens sortierte Supermärkte, ein tolles Kino mit netten Mitarbeitern, ein fabelhaftes Bus- und Shuttlesystem, Fahrradverleihe und eine ansprechende Sauna. Nur das Schwimmbad ist ein wenig zu klein für den Ansturm der vielen Kinder. Die kleinen Geschäfte für Krimskrams, Haushaltswaren und Kleidung sind ebenfalls gut sortiert und enttäuschen auch erfahrene Shopper nicht.
Das Essen im Restaurant war sehr gut und erstaunlich günstig für die Insellage. Fisch muss man aber schon mögen…..Ich liebe Fisch und das Restaurant „Der Strandvogt“ gönnte mir einen Ausflug in meine Kindheit: „Fisch mit Senfsoße“ Danke sehr dafür!
Zusammengefasst: Eine tolle Insel zum Reden, Relaxen und Natur geniesen.
Und das Schönste: Am Meer im Regen stehen.